Umzug

März 30, 2012

Der Blog liegt jetzt auf goiken.github.com und wird mit Octopress betrieben. Dieser Blog hier wird nicht mehr aktualisiert werden. Hier ist der neue Feed. Es gibt auch gleich zwei neue Posts:

  • Einen zu PeTA2 und
  • ein Veganismuspamphlet, was ich schon seit einer Weile rumliegen hatte, aber aus irgend einem Grund nicht über das Blog geschickt habe.

Es läppert sich…

März 6, 2012

Die Zahl, die ich im Kopf hab’, ist, dass wir in Deutschland im Jahr eine Viertelmilliarde Hühner verkonsumieren. Was gar nicht so viel ist, denn wann mans mal ausrechnet, ist das ein halbes Hähnchen pro Bundesbürger; als solche keine schlechte Summe. Aber wenn jeder Bundesbürger im Jahr drei Hühner isst, sind das 240 Mio und das ist ’ne Viertelmilliarde.

In Deutschland werden glaub’ ich 45 Mio Schweine geschlachtet und 14 Mio Rinder und eben wie gesagt 240 Mio Hühner verteilt auf 80 Mio Bürger… Ist das gar nicht mal soo oppulent. Aber um’s mal sehr salop zu sagen: Es läppert sich.

–– Prof. Peter Kunzmann in Figaro, 25.2.2012

Fundstück

Februar 23, 2012

Der Vegetarianer
Aus Fliegende Blätter Nr. 112 (1900).

Karnismus?

Februar 20, 2012

Was ich immer an der Karnismustheorie nicht verstehe, ist, in welchem Sinn Tiernutzung als „unsichtbar“ charakterisiert werden kann. Wie misst man diese Sichtbarkeit?

Reicht da das Argument, dass Tiernutzungsbetriebe in unbesiedelten Gebieten liegen? Die meisten westeuropäischen „Fleisch“esser_innen haben doch Youtube und viele haben auch schon einmal eine Schlachtung gesehen und stimmen mit mir völlig überein, dass das irgendwie gewalttätig ist.

Dass eine Schlachtung irgendwie notwendig dafür ist, dass man „Fleisch“ produziert, verstehen auch die meisten; essen’s aber trotzdem.

Dann ist da noch das Argument von Adams und Joy, dass „Fleisch“produktion von der Individualität der betroffenen Tiere abstrahiert und damit qua Produktion die Körper erst konsumierbar macht…

Gibts da irgendwelche Zahlen zu, oder läuft das auf eine Glaubensfrage hinaus? Worsley & Skrzypiec 1998 haben mal ’ne Studie mit N~2000 gemacht und von den Fleischesser_innen fanden ~30% den Satz „I don’t see the meat I eat as once having been an animal“ falsch. (~40% richtig, Rest egal. S. 164 bzw. S. 14 in der Datei) Vielen scheint also durchaus klar zu sein, dass sie ein individuelles Tier essen.

Und dann kann man an der Theorie natürlich noch das offensichtliche Argument anbringen, dass es alles andere als hilfreich ist, Tierausbeutung auf „Fleisch“konsum zu reduzieren, aber das scheint mir zumindest, im Ggs. zum Problem oben, ein behebbarer Defekt des Begriffs zu sein.

TB-Tage I

Januar 14, 2012

Ich werde die nächsten Tage mal meine Gedenkan zu den Tierbefreiungstagen in Hamburg festhalten und diese dabei auch in erster Linie für mich selbst organisieren.

Zunächst stellten heute zwei Personen jeweils eine dystopische und eine utopische Vision der Tierbefreiungsbewegung im Jahre 2020 vor und haben so auf durchaus humorvolle Art und Weise durchaus sinnvolle Kritiken und bedenkenswerte Verbesserungssansätze vorgeschlagen.

Probleme, die in der dystopischen Vision eine Rolle spielten, waren meinem Verständnis nach in erster Linie

  • ein mangelndes Bewusstsein und Interesse für die eigene Bewegungsgeschichte und die dadurch fortwährende Reproduktion immer der selben Fehler.
  • eine hohe Fluktuation und eine soziale Geringschätzung von den Erfahrungen langjähriger Aktivist_innen,
  • Das Fehlen von stabilen überregionalen Strukturen und finanziellen Förderungsmöglichkeiten von Aktivismus,
  • Kooperationen mit zweifelhaften Gruppen und Personen, sowie ein allgemein diffuses Verständnis von Grundbegriffen der Bewegung,
  • eine subkulturelle Identitätspolitik, die niemand wirklich versteht und die außer dem „sich Abgrenzen“ bzw. „sich Hervorheben“ keinerlei ersichtlichen inhaltlichen Zweck, insbesondere für Menschen außerlhalb dieser soziokulturellen Kontexte hat.

Vorschläge, wie es anders laufen könnte, umfassten dann unter Anderem die Idee einer Stiftung, die kontinuierlicheren Aktivismus finanziell ermöglichen und unterstützen könnte. Ich hatte mich zunächst gefragt, wo plötzlich die finanziellen Mittel für so eine Stiftung herauswachsen sollten und welche_r Player_in dafür in Frage käme… Diese Frage wurde dann jäh insofern für mich beantwortet, alsdass im Hörsaal der letzten Session des Tages auf jedem Platz Hochglanzdrucke des Gründungstextes der Assoziation Dämmerung herumlagen, dass ich mir 1 und 1 zusammenzählen konnte. Groß angetan war ich ja von dem Gründungstext nicht, aber ich bin natürlich gespannt, was sich dort entwickelt.

Weitere Verbesserungsvorschläge war eine dezidiert abolitionistische Argumentation und eine scharfe Distanzierung vom Tierschutz. Die Proposition der Distanzierung zum (mMn viel relevanteren) Begriff des Neuen Tierschutz’ viel zwar durch eine andere Rednerin in der darauffolgenden Session, aber ich hatte dabei das Gefühl, dass die Kritik daran entweder irrelevant gefunden oder nicht verstanden wurde.

Weitere mögliche Verbesserungen vermutete die Rednerin in einer Distanzierung von der linksautonomen Szene (ohne eine gleichzeitige Abkehr von linksradikaler Programmatik) und an einer wenigstens teilweisen Abkehr von der vorherrschenden Sicherheitskultur zum Zweck der öffentlichen Nachvollziehbarkeit und Rezipierbarkeit unserer politischen Praxis als Bewegung.

Corey Wrenn recently proposed the idea that „Putting the burden of proof on vegans“ is a phenomenon that is experienced by vegan activists in a way that it isn’t in the context of other social justice movements. She introduces us to Stevie, Lindsey and Mick who all work in different movements and their work is very much appreciated by their local environments, Christine as an abolitionist vegan activist, however, experiences resistance and the a feeling that she somehow has to justify her activism.

Here is, why I don’t find this comparison to be very helpful:
The moment that Stevie will start to speak up and educate people about how capitalism and peoples uncritical consumerism brings about an ideology of indifference to the weak and in particular the homeless she will face attacks that are very similar to Christine’s experiences.

The moment that Lindsey will start to engage people on the sexist comments that she encounters on a daily basis in her bread-work as a programmer in a respectful but explicit way; In that precise moment she will be attacked in a very similar way to Christine and be asked to justify her beliefs

And finally it also appears to be true that the moment that Mick will start to engage people about how their wasteful and unsustainable usage of goods and natural resources is in his opinion a global-social issue; I that moment he will be asked to justify his belief and he will be attacked just the same way that Christine is.

From my experience *any* anti-Xist who *engages* people on their violent ideologies experiences very similar hostilities. (X ∈ {sex, race, species, class, look, age, })

Veganism anti-speciesism is in that regard really not that special amongst the others. That is of course not to say that we should stop engaging people; all to the contrary. But the experience of hostility is nothing that distinguishes us from other social justice movements, so I think we should, to some extent, „just deal with it“.

„If there is no struggle there is no progress. Those who profess to favor freedom and yet deprecate agitation […] want crops without plowing up the ground; they want rain without thunder and lightning. They want the ocean without the awful roar of its many waters.“ – Frederick Douglass: http://www.blackpast.org/?q=1857-frederick-douglass-if-there-no-struggle-there-no-progress

Actually I think you can even make an opposite argument, that vegans are in a socially privileged position and could chose to make themselves invisible in a way in which (say) an anti-racist person of color could not do in a normatively white environment, like is much of the US. From that would follow that we should show a lot more effort in „sucking shit up“ to practice solidarity and sensibility towards the struggles of others, that we want to consider our allies in our own struggle[s] against oppression.

Veganismusdefinition

November 16, 2011

Übersetzung von Leslie Cross: Veganism Defined, in The Vegetarian World Forum Vol. 5 No. 1 (1951)

Jüngst hat die Vegane Gesellschaft ihre überarbeiteten und erweiterten Leitlinien verabschiedet und darin unter Anderem das Ziel der Bewegung präzisiert.

Die Ziele der Gesellschaft und die Bedeutung des Wortes „Veganismus“, welche bisweilen Gegenstand von Diskussion und persönlicher Vorliebe waren, werden hiermit wie folgt definiert:

Das Ziel der Gesellschaft ist das Beenden der Ausbeutung von Tieren durch Menschen; Das Wort Veganismus meint die Doktrin, dass Menschen leben sollten, ohne Tiere auszubeuten.

Die Gesellschaft begründet sich in der Verfolgung des Ziels, jede Benutzung von Tieren für die Nahrungsmittelerzeugung, als Waren, zur Arbeit, zur Vivisektion und für alle anderen Benutzungen, bei denen tierliches Leben durch Menschen ausgebeutet wird, zu beenden.

Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft ist allen offen, die dieses Ziel teilen und sich bereit erklären dieses Ideal so weit selbst zu leben, wie es die persönlichen Umstände ermöglichen. Partner der Gesellschaft teilen diese Bereitschaft nicht notwendigerweise, erklären sich aber mit dem Ziel einverstanden. Die Türe steht damit weit geöffnet und die Gesellschaft heißt alle willkommen, die sich im Stande fühlen, sie zu unterstützen. Ausrichtung und Führung der Gesellschaft obliegen aber ihren Mitgliedern.

Diese Entwicklung macht den Veganismus einzigartig unter den Bewegungen des Tierschutzes, denn er hat etwas als ein Ganzes herauskristallisiert und nicht, wie bei allen anderen Bewegungen, als eine Abstraktion: Während jede andere Gruppe sich mit einem Segment beschäftigt – und daher bei pragmatischen anstelle von prinzipiellen Fragestellungen verharrt – ist der Veganismus selbst ein Prinzip, aus dem heraus sich Haltungen gegenüber den Praktiken logisch ableiten lassen.

Wendet man beispielsweise das vegane Prinzip auf den Bereich der Ernährung an, wird klar, weshalb eine gute Ernährung eine Vegetarische Ernährung im striktesten Sinne sein muss und weshalb diese keinerlei tierlichen Erzeugnisse enthalten kann. Man kann aus vielfältigen Gründen vegetarisch werden, wie etwa humanitäre Gründe, Gründe der Gesundheit oder schlicht das Vorziehen dieser Diät als eine kulinarische Präferenz. Das Prinzip hinter dieser Entscheidung ist dem eigenen Gefühl überlassen und variiert entsprechend. Der Veganismus jehdoch ist ein Prinzip – Nämlich dass Menschen kein Recht dazu haben, andere Kreaturen für die eigenen Zwecke auszubeuten – und schließt diese Möglichkeiten der Variation aus. Eine vegane Ernährung speist sich daher ausschließlich aus Früchten, Nüssen, Gemüse, Samen und anderen reichhaltigen nicht-Tierprodukten. Sie schließt Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Honig, Tiermilch und deren Erzeugnisse aus.

In einer veganen Welt würden die Kreaturen in die Balance und Gesundheit der Natur reintegriert werden. Ein großer historischer Fehler, dessen Effekt auf die Evolution gewaltig gewesen sein muss, würde korrigiert werden. Die Vorstellung, dass die Mitgeschöpfe der Menschen von diesem für die eignenen Interessen benutzt werden könnten, wäre dem menschlichen Denken bis hin zur Unvorstellbarkeit fremd. In diesem Sinne geht es dem Veganismus auch nicht um den Schutz der Kreaturen als vielmehr um deren Befreiung, sowie um die Befreiung des Geistes und der Herzen der Menschen; Es geht nicht darum, die gegenwärtige Situation erträglich[er] für die Kreaturen sowie für den Geist und die Herzen der Menschen zu machen, sondern um ein kompromissloses Erkennen der gegenwärtigen Beziehung als eine Beziehung, wie zwischen Herren und Sklaven. Diese muss abgeschafft werden, bevor irgend etwas Besseres und Edleres gestaltet werden kann.

Der Veganismus ist die wahrhafte Einsicht, dass dort, wo Liebe ist für die Ausbeutung kein Raum mehr bleibt. Er steht in einer historischen Kontinuität mit der Bewegung, die menschliche Sklaven befreit hat. Wo ein Veganismus umgesetzt würde, würde alles fundamental Falsche, das den Tieren von Menschen angetan wird, automatisch verschwinden. Das Herzstück des Veganismus ist die heilende Kraft der Leidenschaft [des Mitgefühls; compassion] als der höchste Ausdruck von Liebe, zu der Menschen fähig sind. Denn diese[s] ist ein Geben ohne die Erwartung eines Bekommens. Und nichtsdestotrotz wäre der Mehrwert für die Menschen unermesslich, denn diese würden sich von vielen Zwängen ihrer niederen Natur befreien.

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