Durch die Blogs und Netzwerke blubbert die Tage vielfach ein Video [Trigger Warnung] aus einem indonesischen Schlachthaus, das auch von der australischen Mainstreampresse aufgegriffen wurde und vielfach als „besonders grausam“ beschrieben wird.

Selbst der oberste Schlächter des Landes sieht sich genötigt, diese Bilder als „extrem schockierend“ zu kommentieren und unterstellt damit natürlich implizit, dass „australisch geschlachtete Tiere“ in ihrer Verwandlung von einem Lebewesen zu Fleisch grundsätzlich mehr „Menschlichkeit und Mitgefühl“ erfahren, als es innerhalb der muslimischen Schalchtriten möglich wäre.

Im Detail habe ich das nicht verfolgt, aber ich glaube die Konsequenz war letztlich ein Importstopp. Ich meine auch die Begründung dafür gelesen zu haben, man wolle die betroffenen Tiere „retten“, indem man sie in Australien schlachtet. So spielen sich letztlich Diejenigen, die die Nutzung dieser Tiere tragen und daran tailhaben zu den Retter_innen der Betroffenen auf. Und die Tierorganisationen (genauer diese) bestätigen die Akteure dabei in ihrer Rolle.

Ich kritisiere mal das Offensichtliche zuerst: Der Status nichtmenschlicher Tiere als Ressource, dessen Abschaffung oder zumindest Schwächung mMn die Hauptaufgabe tieremanzipatorischer Bewegungen sein sollte, wird nicht in Frage gestellt. Das ist schlimm genug, wäre aber (leider) für sich genommen nichts Neues.

Interesant ist an dem Fall nicht, dass auf damit die Annahme perpetuiert wird, es gäbe eine Skala von Arten und Weisen der Schlachtung, die von „besonders schlimm“ bis zu „wenns denn sein muss“ geht sondern, dass hier besonders sichtbar ist, dass die Unterscheidung, ob eine Schlachtung „grausam“ oder „menschlich“ (englisch humane) ist, entlang rassistischer bzw. islamophob/antisemitischer Linien verlaufen. Mitlerweile finde ich, darf mich das auch ankotzen: Denn schließlich ist das nicht das erste Mal, dass darüber geredet wird.

Interessant ist an dieser Stelle, auch zu fragen, wer eigentlich von diesem „Skandal“ profitiert:
Die mittelfristige Verlagerung von Schlachtungen in das eigene Land wird im Angesicht steigender Transportkosten (Qua Rohölpreis) nämlich ohnehin zu einer volkswirtschaftlichen Notwendigkeit für die Tierausbeutenden. Sie nun durch eine „Bewusstseinbildung“ bei den Konsument_innen weiter zu fördern, gedient dabei ganz klar der Effizienz der Tierproduktion. Apelle ans Mitgefühl werden so nicht nur in eine absurde Vorstellung von mitfühlender Schlachtung kanalisiert, sondern auch zu einem planwirtschaftlichen Vehikel instrumentalisiert.

Es ist dabei mitnichten so, dass ich Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere in Indonesien kleinreden möchte: Doch es ist praktisch nicht möglich in einem Satz zu sagen, dass eine Instanz von Gewalt „besonders schlimm“ ist, ohne dabei implizit auch zu sagen, (indem man bspw. darüber schweigt) dass andere Instanzen akzeptabel sind. Das ist ein bisschen analog zur Kritik an der Extremismustheorie, wo durch die herausgehobene Kritik besonders sichtbarerer Gewalt gegen eine Minderheit diejenige Gewalt, die strukturell von dem gesellschaftlichen Mainstream getragen und reproduziert wird, unsichtbar gemacht und weiter verfestigt wird. Wir lullen uns so, insbesondere im tierlichen Kontext, in die (falsche) Vorstellung, es gäbe eine zivilisierte Art und Weise der Ausbeutung (von nichtmenschlichen) Tieren.

Und letztlich machen viele dem Selbstversändnis nach tieremanzipatorische Gruppen genau das: Sie erklären den Leuten, dass es schlimm ist, getötete Tiere vor den Augen anderer Tiere in Indonesien zu häuten und schweigen aber über das, was deren Publikum eigentlich viel direkter betreffen würde: Dass diese Ansprechpartner_innen selbst jeden Tag Tiere als eine Ressource behandeln und zwar auf eine Art und Weise, die aus einer Betroffenenperspektive der Gewalt gegen Nichtmenschen in Indonesien um nichts nachsteht. Als Reaktion kaufen die Leute mit einem verbessertem Gewissen „gutes Fleisch“ (Es Muss „gut“ sein, denn schließlich haben mir die Tiernerds dazu geraten) anstelle ihre eigene offensichtliche Verflochtenheit mit Tierausbeutung zu realisieren und zu beenden.

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