Zur Veganen Gesellschaft Deutschland

August 31, 2011

Schade. Die Vegane Gesellschaft verpasst nicht nur ihre Chance, einen kritischen Diskurs zu Singer anzustoßen, (wie es bspw. die asatue in einem anderen Kontext ganz gut vormacht) sondern haut stattdessen eine peinliche Beschwerde beim Presserat heraus. Ich dachte @zeitrafferin (aka Julia Seelinger) kocht Probleme auf, die wir längst überwunden hätten. Anscheinend hat sie mit ihrem Rant aber doch bei vielen einen Nerv getroffen.

Dann auch noch dieser Aufschrei, die armen Veganer_innen seien ja sooo diskriminiert. Das ist auf so vielen Ebenen Infam: Selbst wenn man kein_e Tierrechlier_in ist, erkent man leicht, dass die soziologische Zusammensetzung von Veganer_innen überhaupt nicht einer marginalisierten Gruppe ähnelt. Und es gibt eine Hand voll großartiger Tierrechtler_innen, die sehr scharf analysieren, dass das es seine guten Gründe hat und ein Problem ist, dass überwiegend bürgerliche, wirtschaftlich affluente, weiße Akademiker_innen die Basis der Veganer_innen bilden und die Theoriebildung zusätzlich überwiegend von männlichen Personen betrieben wird bei einer überwiegend weiblichen Basis. Solange wir diese Hierarchien bei uns kultivieren, sollten wir von Diskriminierung schweigen. Und auch wenn wir diese abgebaut haben, scheint es mir aus tierrechtlicher Perspektive angebracht hier Zurückhaltung in Achtung derjenigen zu üben, für die sich Diskriminierung nicht nur als ein ärgerlicher Artikel ausdrückt, sondern die Diskriminierung so erleben, dass ihre Körper und ihre reproduktiven Zyklen zu einer Ressource gemacht und konsumiert werden.

Und auch die anderen jüngsten Posts von der VGD sind bei etwas genauerem Hinsehen eigentlich nur die übliche neutierschützerische Kackscheiße: Özdemiers anthropozentrisches Vegetarismusargument. Der olle Bill Clinton, der schon vor einem halben Jahr nicht vegan war. (Er isst überwiegend pflanzlich und auch nur aus gesundheitlichen Gründen) Und dann noch die Die Fürstin, die ich mir schon gar nicht mehr angeschaut habe, weil auch so schon klar ist, was sie nicht sagen wird:

  • Sie wird nicht formulieren, dass es ein prinzipielles Problem ist, Tiere als eine Ressource zu behandeln. In anderen Kontexten sind wir bereit zuzugestehen, dass Tiere eigene Erfahrungen von der Welt haben und diese eigene Perspektive ihr Wohlergehen wichtig macht und zwar logisch unabhängig davon, ob ihr Lebenswandel für triviale menschliche Bedürfnisse einen profitablen Kurs nimmt. Sie sind, wie alle Wesen mit eigenen Erfahrungen der Welt für sich genommen wichtig und nicht, weil es jemanden nützt.
  • Sie wird nicht von der gewalttätigen Grundhaltung sprechen, die wir gegenüber Nichtmenschen an den Tag legen; Von der speziesistischen Ideologie mit der wir das weltweite Schlachten von 56 Mrd nichtmenschlichen Säugetiere und etwa einer Billion Meerestiereb pro Jahr rationalisieren, obwohl es für uns keinen besseren Grund dafür gibt, alsdass uns ihre Körper und Sekrete so wahnsinnig gut schmecken.

So und jetzt schau ich mir das Video an und werde mich „freuen“, dass ich mal wieder Recht hatte… *.*

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5 Antworten to “Zur Veganen Gesellschaft Deutschland”

  1. hoch99 Says:

    ach, ja, peter singer.. auch noch durch den g. bruno-preis institutionell geadelt. aber viel schlimmer ist dieses argumentieren ad-hominem wie bei j. seliger. die schreibt sich grün auf ihre nase und (be-)nutzt ihre mediale stellung, um die fleischlobby zu unterstützen. sauber! sie schreibt; weil p.singer den personen-begriff so engführend auslegt, deshalb sind alle tierrechtlerInnen militante euthanasie-befürworterInnen. sauber. liebe julia, so könnten wir jetzt zurückdummdreisten, weil du keine ahnung hast und ad-hominem-argumente immer eher unsachlich sind, unterstellen wir dir mal, dass du vielleicht antisemitin bist!?

    • goiken Says:

      Ist doch nicht so, dass Seelinger in anderen Punkten nicht auf ner Grünen Linie fahren würde: Und die ökologische Argumentation gegen Tierprodukte erkennt sie ja auch explizit an.

      Und bei dem Misverstehen der Tierrechtsposition als mit dem verengten Personenbegriff verbunden bin ich mitlerweile sogar gewillt, ihr mehr Unaufgeklärtheit zu unterstellen als bösen Willen, bei dem Dünnschiss den die organisierten selbsterklärten Sprechrohre der Tierrechtsbewegung teilweise von sich geben.

  2. hoch99 Says:

    aber das mistverstehen als unaufgeklärtheit zu entschuldigen, finde ich zu gutmütig. gerade weil sie ja angeblich eine grüne socke sein will, wird man/fra doch schon mal davon gehört haben, dass es auch – vor allem in germany – andere, als die utilitaristische singerei gibt.

    • goiken Says:

      Daraus dass es auch andere gibt, folgt noch nicht, dass „die Tierrechtsbewegung“ die „Singerei“ nicht auch teilen würde. Oder genauer gesprochen, dass sie die Widersprüche zu einem emanzipierten humanistischen Personenbegrif angemessen reflektiert und in ihre aufklärerische Praxis integriert hätte.
      Aber vlt. hast du auch recht und ich bin wirklich nur zu gutmütig.


  3. Die vgd ist wirklich nicht mein Lieblingsverein… Besonders mag ich deine Argumente bezüglich der Diskriminierung. Darüber habe ich schon häufig mit anderen Menschen gesprochen, weil es einfach höchst auffällig ist, dass die Vordenker oder Vorzeigeschilder „der Szene“ meist männlich sind, obwohl fast 80% der Veganer tatsächlich Veganerinnen sind. Und wenn ich mir dann genauer anschaue, wer diese Männer sind, so ist davon auch nur ein Bruchteil in meinen Augen wirklich sympathisch.
    Auch in angeblich so fortschrittlichen Gemeinschaften gibt es bezüglich Diversität und auch Kommunikation noch so einiges zu tun.


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