Zoophilie

November 11, 2011

Das Amtsgericht in Berlin untersagt die Vereinsgründung einer Gruppe von Zoophilen, das sind Menschen, die sich sexuell (und amurös?) zu individuellen nichtmenschlichen Teiren hingezogen fühlen.

Ich war schwer überrascht von PeTA-Deutschlands Positionierung. Dort schreiben sie „Zoophilie ist immer mit Zwang gegenüber Tieren verbunden, denn sie haben sich den (sexuellen) Willensbedürfnissen der Menschen unterzuordnen – somit ist und bleibt dies rechtswidrig.

Überrascht hat mich das, weil PeTA’s ChefideologInnen Peter Singer und Ingrid Newkirk dazu eigentlich eine andere Position haben: Siehe etwa Singers Text Heavy Petting oder diese Reaktion von Newkirk.

If a girl gets sexual pleasure from riding a horse, does the horse suffer? If not, who cares? If you French kiss your dog and he or she thinks it’s great, is it wrong? We believe all exploitation and abuse is wrong. If it isn’t exploitation and abuse, it may not be wrong.

Wenn ein Mädchen das Reiten auf einem Pferd sexuell erregt, leidet dann das Pferd? Falls nicht, was wäre dann schon dabei? Wenn du deinem Hund einen Zungenkuss gibst und sie oder er es großartig findet, wäre das falsch? Wir glauben Ausbeutung und Mishandlungen sind falsch. Falls eine Sache nicht darunter fällt, dann kann sie auch Ok sein.

Zugegeben; Das klingt (im Gegensatz zu Singers wohlüberlegten Text) wenig reflektiert. Es ergibt aber in ihrem ethischen Setting, in dem Newkirk sonst so über die Mensch-Tierbeziehungen nachdenkt, Sinn.

Newkirk und Singer fragen als UtilitaristInnen nur in Situationen nach „glücksmaximierenden Handlungen“ und ignorieren dabei (notwendigerweise) Machtgefüge wie bspw. Privilegien, die Eigenschaft Eigentum zu sein, wirtschaftliche Abhängigkeiten, etc.

Gegenseitig respektvolle sexuelle Interspeziesbeziehungen sind vielleicht abstrakt vorstellbar. Aber in einer Gesellschaft in der Tiere Eigentum sind und jährlich 60 Mrd. nichtmenschliche Tiere zur Erzeugung sogenannter Nahrung getötet werden, scheint es mir völlg illosorisch, anzunehmen, dass sexuelle Interspeziesbeziehungen, die dieses Machtverhältnis nicht wiederspiegeln, praktisch möglich sein sollten.

Vor dem selben Hintergrund halte ich es übrigens ebenso für unangebracht von zoophilen Menschen als „kranken Schweinen“ zu sprechen; Denn Schweine können für den ganzen Quatsch am allerwenigsten und sie als derrogatives generisches Anderes für etwas, was einen selbst anekelt, zu rendern, ist eher geeignet, diese institutionalisierte Gewalt weiter zu verfestigen, als einen kritischen Diskurs darüber anzustoßen.

Ich finde das alles auch ein schönes Beispiel, um praktisch nachzuvollziehen, wie der theoretische Ansatz von Singer prinzipiell nicht in der Lage sein kann wesentliche und konstitutive Elemente von Herrschaft der Menschen über nichtmenschliche Tiere kritisch zu denken.

Und es ist für mich auch Interessant, dass Haferbeck widerspricht. Mir scheint das vielleicht relevant, wenn ich mich nämlich frage, inwiefern eine abolitionistische Kritik am neuen Tierschutz aus dem englischsprachigen Raum auf den deutschsprachigen Raum übertragbar ist. Interessant fände ich also auch Details, warum Haferbeck widerspricht. Hoffnungen mach ich mir da aber eher keine, weil er mir bislang noch nicht durch nachvollziehbare Begründungen seiner Positionen aufgefallen ist.

Aber vielleicht waren ja auch die Leute des zu gründenden Vereins einfach nur ein Haufen Verwirrter und deren Gründungsdokumente viel zu Diffus um anhand dieser zu beginnen, ernsthaft über Zoophillie zu sprechen. Auch das fände ich interessant nachzulesen.

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