TB-Tage I

Januar 14, 2012

Ich werde die nächsten Tage mal meine Gedenkan zu den Tierbefreiungstagen in Hamburg festhalten und diese dabei auch in erster Linie für mich selbst organisieren.

Zunächst stellten heute zwei Personen jeweils eine dystopische und eine utopische Vision der Tierbefreiungsbewegung im Jahre 2020 vor und haben so auf durchaus humorvolle Art und Weise durchaus sinnvolle Kritiken und bedenkenswerte Verbesserungssansätze vorgeschlagen.

Probleme, die in der dystopischen Vision eine Rolle spielten, waren meinem Verständnis nach in erster Linie

  • ein mangelndes Bewusstsein und Interesse für die eigene Bewegungsgeschichte und die dadurch fortwährende Reproduktion immer der selben Fehler.
  • eine hohe Fluktuation und eine soziale Geringschätzung von den Erfahrungen langjähriger Aktivist_innen,
  • Das Fehlen von stabilen überregionalen Strukturen und finanziellen Förderungsmöglichkeiten von Aktivismus,
  • Kooperationen mit zweifelhaften Gruppen und Personen, sowie ein allgemein diffuses Verständnis von Grundbegriffen der Bewegung,
  • eine subkulturelle Identitätspolitik, die niemand wirklich versteht und die außer dem „sich Abgrenzen“ bzw. „sich Hervorheben“ keinerlei ersichtlichen inhaltlichen Zweck, insbesondere für Menschen außerlhalb dieser soziokulturellen Kontexte hat.

Vorschläge, wie es anders laufen könnte, umfassten dann unter Anderem die Idee einer Stiftung, die kontinuierlicheren Aktivismus finanziell ermöglichen und unterstützen könnte. Ich hatte mich zunächst gefragt, wo plötzlich die finanziellen Mittel für so eine Stiftung herauswachsen sollten und welche_r Player_in dafür in Frage käme… Diese Frage wurde dann jäh insofern für mich beantwortet, alsdass im Hörsaal der letzten Session des Tages auf jedem Platz Hochglanzdrucke des Gründungstextes der Assoziation Dämmerung herumlagen, dass ich mir 1 und 1 zusammenzählen konnte. Groß angetan war ich ja von dem Gründungstext nicht, aber ich bin natürlich gespannt, was sich dort entwickelt.

Weitere Verbesserungsvorschläge war eine dezidiert abolitionistische Argumentation und eine scharfe Distanzierung vom Tierschutz. Die Proposition der Distanzierung zum (mMn viel relevanteren) Begriff des Neuen Tierschutz’ viel zwar durch eine andere Rednerin in der darauffolgenden Session, aber ich hatte dabei das Gefühl, dass die Kritik daran entweder irrelevant gefunden oder nicht verstanden wurde.

Weitere mögliche Verbesserungen vermutete die Rednerin in einer Distanzierung von der linksautonomen Szene (ohne eine gleichzeitige Abkehr von linksradikaler Programmatik) und an einer wenigstens teilweisen Abkehr von der vorherrschenden Sicherheitskultur zum Zweck der öffentlichen Nachvollziehbarkeit und Rezipierbarkeit unserer politischen Praxis als Bewegung.

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4 Antworten to “TB-Tage I”

  1. t Says:

    klingt interessant, deine bewertung.
    bitte mehr analyse der tierbefreiungstage…
    t

  2. xmajax Says:

    Naja, also von einer teilweisen Abkehr der Sicherheitskultur war in der Vision nicht die Rede, bzw. das war auch nicht intendiert. Es ging lediglich darum zu betonen, dass eine Bewegung auch Personen braucht, die sie in der Öffentlichkeit/in den Medien repräsentieren.

  3. xmajax Says:

    Der Zusammenhang zwischen der in der utopischen Vision vorkommenden Stiftung und den Assoziation Dämmerung Flyern ist mir auch nicht so ganz klar.

  4. goiken Says:

    Ja… Das ist wohl etwas weit hergeholt. Nur die Frage bleibt: Wo soll plötzlich so eine Stiftung herkommen?


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